Nachgefragt: Perspektiven der Pflege

Stefan Stark ist Pflegedirektor des Alexianer Krankenhauses Aachen. Ein Gespräch über interessante Menschen, Herausforderungen und den wachsenden Stellenwert der Pflege.

Herr Stark, was ist das Schöne am Pflegeberuf?

Kein Tag ist wie der andere. Und auch die Qualifizierung und die Möglichkeiten, sich weiterzubilden, sind hier so umfangreich wie in fast keinem anderen Beruf. Jeder Mensch ist interessant, und es gibt wohl kaum einen Beruf, in dem man so viele verschiedene Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Kulturen mit ihren oft ganz besonderen persönlichen Lebensgeschichten kennenlernen kann.

Pflege wird in Zukunft aus meiner Sicht einen höheren Stellenwert einnehmen, sowohl in der alltäglichen Arbeit als auch in der öffentlichen Wahrnehmung.

Stefan Stark, Pflegedirektor

Vor welchen Herausforderungen steht die Pflege im Krankenhaus?

Die größte Herausforderung ist es, gut ausgebildete, motivierte, engagierte und loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Krankenhaus zu gewinnen und ans Haus zu binden. Sie sind das wichtigste Kapital und die Existenzgrundlage jedes Krankenhauses. Der Pflegeberuf insgesamt befindet sich im Umbruch. Fachkräftemangel, die geplante Neuordnung der Kranken- und Altenpflegeausbildung und die politisch gewollte Einführung von Pflegeuntergrenzen erfordern einen neuen Ansatz der Qualifizierung von Pflegekräften. Indem wir selbst ausbilden, versuchen wir,  dem Fachkräftemangel direkt entgegenzusteuern.

In der Alexianer GmbH wurde ein Kompetenzstufenmodell entwickelt, das uns in Zukunft hilft, die hohe Pflegequalität in unserem Krankenhaus sicherzustellen. Dieses Modell besteht aus acht Qualifikationsstufen. Es beschreibt keine Hierarchien, sondern definiert Aufgaben- und Verantwortungsbereiche und welche formalen Qualifikationen dafür notwendig sind, und es unterstützt die Pflegenden bei der persönlichen beruflichen Weiterentwicklung.

Wie wird sich Pflege entwickeln?

Ab 2020 kommt ein neues Pflegeberufegesetz, das die Ausbildung verändert. Erstmals werden dann Vorbehaltsaufgaben geregelt, die aufgrund der erforderlichen Qualifikation nur von Fachkräften wahrgenommen werden dürfen. Mit dem Kompetenzstufenmodell der Alexianer sind wir darauf gut vorbereitet.

Bleibt Pflege ein attraktives Berufsfeld?

Auf jeden Fall. Politisch ist ja auch etwas in Bewegung geraten, denken Sie nur an die Konzertierte Aktion Pflege. Pflege wird in Zukunft aus meiner Sicht einen höheren Stellenwert einnehmen, sowohl in der alltäglichen Arbeit als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Es geht um einen Mix aus mehr Geld, Zeit, attraktiven Arbeitsbedingungen und einer sinnstiftenden Tätigkeit. Pflege wird für viele ein sehr attraktives Berufsfeld der Zukunft sein, mit Beschäftigungsgarantie.


nach oben